Schottland – endlose grüne Weiten.

Dieses für mich mystische Land klingt nach Natur ohne Ende, nach Ruhe und Entspannung sowie magische Orte.

Irgendwann werde ich mich davon persönlich überzeugen, denn ich war leider noch nie da. Gut, dass Christina von TRIP TO THE PLANET schon dort war und aus erster Hand berichten kann, wie es ihr vor Ort ergangen ist.

Christinas Gastbeitrag ist im Rahmen der Aktion entstanden, die Sabine von Ferngeweht ins Leben gerufen hat. Hier haben sich viele Reiseblogger zusammengetan, jeder schreibt für einen anderen einen Gastbeitrag und erhält im Gegenzug ebenfalls einen Beitrag für den eigenen Blog. Tolle Sache, da habe ich natürlich mitgemacht.

Demnächst wird daher auch ein Beitrag zu meiner letzten London Reise auf dem Blog von Imke von Crappy Radio Stations and Candy Bars zu finden sein. UPDATE am 21.12.2016: der Beitrag ist heute online gegangen.

Nun kommt erst einmal Christina zu Wort.


 

Meine Reise nach Schottland im Sommer 2015 hat mein Leben nachhaltig verändert. Damals bin ich zum ersten Mal alleine verreist und überhaupt war das mein erster Urlaub nach vielen Jahren der Reiseabstinenz. Die Urlaube mit der Familie waren längst Geschichte und neben dem Studium fehlten sowohl Zeit (ja, ich war damals wohl ein kleiner Streber) sowie das nötige Kleingeld, mal groß mit Freunden wegzufahren. Auf der anderen Seite habe ich es auch überhaupt nicht vermisst, da ich gar nicht so richtig wusste, was ich überhaupt verpasse. Denn viele Jahre ging es ohne Urlaub. Ich war also nicht traurig darüber, was mir entging. Solche Gedanken oder gar Sehnsüchte nach Urlaub, Auszeit und Reisen gab es einfach nicht.

Aufbruchstimmung

Erst, als ich letztendlich nach kräftezehrendem Studium in den tristen Arbeitsalltag eintauchte, weiterhin permanent genervt und gestresst war und sich in mir die Frage aufdrängte „War’s das schon, kann das alles sein?“, kam ich auf die Idee, dass so ein Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände doch auch mal eine nette Abwechslung wäre. Das Geld war mittlerweile auch kein Thema mehr. Was sollte mich also daran hindern, einfach den Koffer zu packen und mich in die große, weite Welt zu stürzen? Richtig! Ich war auf mich alleine angewiesen und sofort kamen erste Zweifel auf. Aber ich wollte doch etwas ändern.

Es hieß also, entweder weiterhin nichts als das eigene kleine Kaff und die gleichen Menschen (nichts gegen sie, aber…) Tag für Tag sehen oder aber das Herz in die Hand nehmen, allen Mut zusammenfassen und alleine aufbrechen. Was ich schließlich auch tat. Eine Woche Schottland wartete auf mich. Auf mich ganz alleine. Und ich bin bis heute dankbar dafür, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Ich stand innerlich irgendwie an einem Scheidepunkt in meinem Leben und bin froh darüber, den Weg in die richtige Richtung gewählt zu haben.

Eine Wendepunkt im Leben

Dieses Erlebnis hat mich nicht nur zum Nachdenken gebracht, sondern auch dazu geführt, mein bisheriges (Reise)leben einmal gründlich zu überdenken. Zusätzlich dazu, dass ich mich ohnehin Hals über Kopf in dieses wunderschöne Land verliebt und dort meine absolute Traumreise (bisher) erlebt habe, markiert dieser Trip sozusagen einen Wendepunkt in meinem Leben. Auf der britischen Insel habe ich nicht nur jede Menge über das Reisen, sondern auch über mich gelernt und herausgefunden, wie ich gerne meine Zukunft gestalten möchte und was ich dafür ändern muss. Seitdem nimmt das Reisen einen großen Teil in meinem Leben ein.

1. Schottland alleine zu bereisen ist richtig klasse

Früher wäre es für mich undenkbar gewesen, alleine eine Reise anzutreten. Obwohl ich während des Studiums wirklich sehr eingespannt war und alles andere als das typische Studentenlodderleben geführt habe, kann ich mich erinnern, dass ich durchaus in einem schwachen Moment der Sehnsucht nach Abwechslung vom permanenten Lernstress darüber nachdachte, dass ich gerne mal verreisen möchte. Nachdem sich in meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis allerdings niemand fand, den man mal spontan dazu animieren könnte, wurden diese Gedanken auch so schnell wieder verworfen, wie sie entstanden waren und für die nächsten Jahre in die hintersten Ecken des Gehirns verfrachtet. Bis heute frage ich mich, warum ich damals noch nicht den „Mut“ hatte, mich alleine aus der Komfortzone zu trauen.

Das erste Mal auf Reisen

Sei es drum. Mit geschlagenen 27 Jahren habe ich diesen Schritt endlich gewagt. Natürlich hatte ich vor der Reise riesigen Bammel und habe mich bis kurz vor der Fahrt zum Flughafen gewiss noch nicht in Schottland gesehen. Alles war so unrealistisch. Ich alleine irgendwo gefühlt am Ende der Welt. Erst, als ich in Edinburgh gelandet bin und mir klar wurde, dass ich da gerade auf schottischem Boden stehe und die nächsten 7 Tage dort verbringen würde, verspürte ich so etwas wie Erleichterung, dass ich tatsächlich da bin und auch ganz viel positive Aufregung. Richtige Freude. Ich hatte es geschafft. Der erste Schritt in ein „neues“, aufregenderes Leben war gemacht. Keine Spur mehr von Angst.

Im Gegenteil, ich war sogar richtig froh, alleine dort zu sein. Eine Woche keine Kompromisse eingehen. Nur das anschauen, was ich auch wirklich sehen möchte. Essen gehen, wann, wo und was ich will. Niemand blockiert das Badezimmer. Eine wunderbare Freiheit, die unglaubliche Glücksmomente in mir auslöste. Langsam realisierte ich, dass das Reisen und ich schon bald richtig dicke Freunde sein würden und dass es dazu niemanden braucht, der das fünfte Rad am Wagen spielt.

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2. Da draußen gibt es noch soviel zu entdecken

Während ich noch die Bootstour auf Loch Ness genoss, die umwerfende Schönheit der Highlands bewunderte und durch die mittelalterlichen Closes in Edinburgh schlenderte, schweiften meine Gedanken schon fast ein bisschen zu viel ab und mein Kopf begann, bereits viele Pläne für die nächsten Reiseziele zu machen. Plötzlich realisierte ich, wie viel es noch zu entdecken gibt und von welchen Orten ich in meinem Leben gehört hatte, die ich nun alle besuchen wollte. Als wäre der Teil meines Gehirn mit sämtlichen Reisewünschen über Jahre in der Versenkung verschwunden und mit einem Mal wieder aufgetaucht.

Neue Reiseziele

Schottland ist bis heute (ok, ist zwar erst knapp ein Jahr her) mein absolutes Lieblingsland und ich will unbedingt wieder hin, aber erstmal stehen noch Unmengen an anderen Destinationen auf meiner Bucket List, so dass ich mir gar nicht sicher bin, ob ein Leben dazu überhaupt ausreicht. Schon mit der Planung für 2017 tue ich mich schwer, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann. In diesem Jahr wollte ich einen Roadtrip durch Osteuropa machen, doch daraus wurde leider nichts, ist aber weiterhin ein großer Traum von mir. Doch eigentlich möchte ich auch gerne nach Schweden.

Ganz zu schweigen von den USA, der wohl längste Reisetraum von mir, den ich tatsächlich auch schon als Kind hatte. Und überhaupt habe ich Europa noch nie verlassen und würde gerne mal etwas weiter weg. Aber ich mache mir da keinen Druck, sondern empfinde es viel mehr als Segen, dass die Welt noch so viele Möglichkeiten für wunderbare Reisen bietet. Ich bin einfach nur dankbar, dass mir Schottland die Augen geöffnet hat.

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3. Ich kann jede Herausforderung meistern

Vor dem Alleinsein in einem fremden Land an sich hatte ich keine große Angst. Meine Sorgen gingen eher in die Richtung, bei allen Entscheidungen und Herausforderungen auf mich alleine gestellt zu sein. Ich hatte zwar „klein“ angefangen und mir ein Land ausgesucht, dessen Sprache ich beherrsche und mich zudem einer Gruppenreise angeschlossen, doch außerhalb der begleiteten Ausflüge war ich mir selbst überlassen. Eine Erfahrung, die ich so noch nicht kannte, wenn im Notfall wirklich keine vertraute Person da sein würde. In Bezug auf das Alleinreisen war ich noch ein Baby, das einfach so ins kalte Wasser geworfen wurde.

Persönliche Grenzen

Doch ich lernte schnell schwimmen. Die Anreise mit dem Bus vom Flughafen zu meinem Hotel, die ich selbst in die Hand nehmen musste, klappte weitestgehend problemlos. Ich hatte mich nur kurz verlaufen, doch schon nach kurzer Zeit schob ich meinen Koffer durch die Eingangstür meiner Unterkunft und spätestens da war mir klar, dass sich alles weitere schon irgendwie ergeben würde und ich ein paar tolle Tage ohne große Sorgen vor mir haben würde. Und auch dann, als mich meine sich bereits seit Monaten hartnäckig haltende Erkältung wieder einholte und ich gesundheitlich etwas angeschlagen war, warf mich das nicht aus der Bahn oder verdarb mir meine wunderbare Laune. Ein kurzer Gang in die Apotheke und fertig.

Das mag sich jetzt wahrscheinlich nach unerheblichen Kleinigkeiten anhören und auch ich muss heute über meine „Ängste“ von damals schmunzeln, doch als Reiseneuling habe ich mir da nun mal so meine Gedanken gemacht und mir auch dadurch die Sicherheit geholt, dass ich die sich ergebenden Herausforderungen auf Reisen sehr gut meistern kann. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es sicher Situationen geben wird, an denen ich selbstverständlich an meine Grenzen kommen werde, doch fürs Erste reicht mir zumindest dieses Vertrauen in mich selbst.

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4. Alleine reisen heißt nicht einsam sein

Obwohl die Ängste davor, dass ich alles würde alleine regeln müssen, größer waren als die vor dem alleine sein, war das doch auch ein Punkt, der mich im Vorfeld der Reise zumindest ein kleines bisschen zum Nachdenken gebracht hat. Bisher war ich immer in Begleitung unterwegs. Es gab immer einen potentiellen Partner, mit dem man sich beschäftigen oder einfach nur reden konnte. Ich wusste, dass ich abends wahrscheinlich auf meinem Zimmer sein würde. Allein in einer fremden Stadt. Wie würde das sein? Ist das nicht doof? Wird das nicht langweilig? Bin ich dann nicht einsam? Alles Fragen, die ich mir vorher schon stellte und mir blieb natürlich nichts anderes, als es herauszufinden. Vor der Reise hätte ich mir gewünscht, dass mich jemand begleitet. Im Nachhinein bin ich wahnsinnig froh, diese Erfahrung so gemacht zu haben.

Allein sein macht frei

Meine Fragezeichen im Kopf haben sich mit jeder Minute in Schottland schneller in Luft aufgelöst. Von Langeweile keine Spur. Denn ich hatte immer etwas zu tun, war stets auf Erkundungstour, am Entdecken und am Schmieden von Plänen für zukünftige Reisen. Dass ich alleine unterwegs war, spürte ich in negativer Hinsicht überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich empfand es als überaus positiv. Sowohl vor Ort, da ich auf niemanden Rücksicht nehmen musste, als auch im Nachhinein, weil mir klar war, dass alleine sein auf Reisen nicht gleich auch bedeutet, dass man einsam ist. Wenn es überhaupt Momente der Einsamkeit gab, an denen ich dachte, dass es schon schön wäre, wenn jemand dabei wäre, dann abends, wenn ich im Restaurant auf mein Essen wartete.

Doch sobald sich mein mit schottischen Leckereinen gefüllter Teller einmal vor mir befand, waren diese Gedanken auch schon wieder verflogen und ich verspürte nichts als Glück darüber, dass ich mich für die Reise entschieden habe. Denn dort habe ich den Grundstein für meine weiteren Trips gelegt. Mittlerweile ist es für mich selbstverständlich, ohne Begleitung zu verreisen. Ich empfinde es sogar als großes Glück, mal für mich zu sein und eine Auszeit von allem nehmen zu können. Nicht, dass ich die Menschen um mich herum nicht mag, aber manchmal ist es auch ganz schön, Dinge für sich zu machen. Besondern dann, wenn die Interessen auf Reisen bezüglich Ziel und Aktivitäten auseinander gehen oder kein für alle passender Zeitpunkt gefunden werden kann.

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5. Heimweh ist ab sofort ein Fremdwort

Als Kind und in meiner Jugend hatte ich nie Heimweh. Ich wäre am liebsten das ganze Schuljahr auf Klassenfahrt gewesen. Während manche Kinder permanent in der Telefonzelle hingen und mit Mami telefonierten, vergas ich fast, dass es zu Hause jemanden gab, der mich vermisste. Erst, als ich älter wurde und das Leben bedingt durch Schule, Studium und Beruf kein Ponyhof mehr war, entwickelte ich einen stärkeren Bezug zum zuhause sein Wollen. Alles wurde anstrengender. Momente auf der Couch vor dem Fernseher in gewohnter Umgebung erhielten einen deutlich größeren Stellenwert.

Wie ich schon sagte, vor Schottland zog es mich nicht unbedingt weg. Und wenn dann mal eine Fahrt irgendwohin anstand, verfiel ich zwar nicht in Trauer und konnte die Tage auch genießen, doch anders als zur Schulzeit häuften sich mittlerweile die Gedanken an Zuhause. Hier habe ich wohl eine ganz andere Entwicklung genommen als meine kleine Schwester. Während wir sie regelmäßig nach gefühlt einem halben Tag von der Klassenfahrt abholen und auf der anderen Seite mich nach sowas regelrecht einfangen mussten, ist sie heute das krasse Gegenteil und ständig irgendwo unterwegs.

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Was mich Schottland lehrte

Erst in Schottland lernte ich wieder, so richtig loszulassen und die Zeit an einem anderen Ort richtig zu genießen. Vermutlich spielte es dabei auch eine große Rolle, dass ich alleine war, denn so konnte ich wirklich nur das machen, was ich wirklich wollte und eine tolle Reise erleben, die ich wahrscheinlich mein Leben lang nicht vergessen werde. Diese Zeit hat mir so viel gegeben und mir eine vergessen geglaubte Leidenschaft gezeigt, die ich irgendwann vor vielen Jahren verloren zu haben schien.

Ich will nicht sagen, dass ich das Heimweh mittlerweile komplett wieder abgelegt habe, denn auch heute noch freue ich mich immer noch aufs Heimkommen, doch meistens dauert es nur wenige Tage, bis ich wieder neue Pläne schmiede. Das Fernweh ist definitiv die größere Komponente und ich kann es kaum erwarten, bis es wieder losgeht. Ich danke Schottland für eine unvergessliche Reise und dafür, dass ich so viel über mich und das Reisen gelernt habe.

 


Über den Autor: Christina Schneider

profilbild-trip-to-the-planetMein Name ist Christina und auf meinem Reiseblog TRIP TO THE PLANET schreibe ich über Kurztrips, Städtereisen, Tagesausflüge und Wanderungen für die kleine Auszeit zwischendurch. Der Blog steht für die „Step-by-Step-Weltreise“, richtet sich also in erster Linie an alle, die aus den verschiedensten Gründen die legendäre Weltreise (noch) nicht wagen und in vielen kleinen Schritten die Welt erkunden möchten.